Digitalisierung

Laufwerk Z: verliert die Vorschau — Windows schreibt seinen WebDAV-Client ab, nicht das Protokoll

WebDAV bleibt: Der Standard funktioniert, und wir unterstützen ihn weiter. Aufgegeben hat Microsoft nur den eingebauten Client von Windows — seit 25H2 ohne Dateivorschau, seit 2023 ohne Weiterentwicklung.

Sascha Ladewig
Geschäftsführer & Gründer
24. August 2026
6 Min. Lesezeit
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Kurz gesagt: Microsoft entwickelt den WebDAV-Client in Windows seit November 2023 nicht mehr weiter, Version 25H2 hat die Dateivorschau darauf gesperrt, und auf dem Mac hakt seit Tahoe schon das Einbinden. Wer sein Archiv als Laufwerk Z: nutzt, sollte Zugriffsweg und Ablage trennen.

„Laufwerk Z: ist bei uns seit acht Jahren da"

Ende Juni rief mich der IT-Verantwortliche einer Steuerkanzlei aus Ingolstadt an, 22 Arbeitsplätze. Seit dem Update auf Windows 11 25H2 zeigte die Explorer-Vorschau bei jedem PDF auf dem Mandantenlaufwerk eine Warnung statt des Dokuments.

Seine erste Vermutung war der Virenscanner. Es war Windows.

Das Laufwerk hing per WebDAV am Server. Für die Kanzlei war das über Jahre einfach „der Ordner". Dass dahinter ein HTTP-Protokoll steckt, das Microsoft seit 2023 abschreibt, wusste dort niemand — und musste bis dahin auch niemand wissen.

Was Microsoft angekündigt hat, und was davon schon eingetreten ist

In der offiziellen Liste veralteter Windows-Funktionen steht seit November 2023 ein knapper Zweizeiler: „The Webclient (WebDAV) service is deprecated. The Webclient service isn't started by default in Windows."

Deprecated heißt bei Microsoft: keine Weiterentwicklung, Entfernung in einer künftigen Version möglich. Ein Datum nennt niemand. Genau das ist das Problem — man kann nicht planen, nur reagieren.

Reagieren mussten Administratoren zuletzt im Herbst. Seit 25H2 behandelt Windows Dateien auf WebDAV-Pfaden als Inhalte aus der Internetzone. Die Vorschau bleibt gesperrt, und einen „Zulassen"-Knopf in den Dateieigenschaften gibt es für WebDAV im Gegensatz zu normalen Netzlaufwerken nicht — im offiziellen Support-Forum nachzulesen.

Die Umgehungen sind unangenehmer als das Problem

Empfohlen wird in solchen Threads: den Server in die lokale Intranetzone eintragen, in Office vertrauenswürdige Speicherorte pflegen, oder per Registry SaveZoneInformation auf 2 setzen.

Der letzte Vorschlag schaltet die Zonenmarkierung für alle heruntergeladenen Dateien ab, nicht nur für das Laufwerk. In einem Haus mit Mandantendaten ist das keine Lösung, sondern ein Tauschgeschäft gegen ein größeres Risiko.

Dazu kommt eine Altlast, die jeder kennt, der WebDAV länger betreibt: Der Webclient bricht Übertragungen oberhalb von 50.000.000 Byte ab, Fehlercode 0x800700DF. Wer 80-MB-Scans ablegen will, muss FileSizeLimitInBytes in der Registry hochsetzen. Auf jedem einzelnen Arbeitsplatz.

Auf dem Mac ist es nicht besser

Wer glaubt, das sei ein Windows-Thema, hat seit einem Jahr keinen Mac im Betrieb gehabt. Mit macOS Tahoe 26 verbinden sich hinterlegte Netzlaufwerke nach dem Neustart nicht mehr automatisch — sie müssen von Hand neu gemountet werden.

Schlimmer trifft es Häuser mit einem DFS-Namespace. Im Apple-Entwicklerforum ist der Fehler seit Januar dokumentiert: Die Wurzel verbindet sich, die Unterordner bleiben leer, „No route to host". Feedback-ID FB21681177, im Juni erneut gemeldet, in 26.3 noch da.

Ein Protokoll, das auf beiden großen Betriebssystemen nur noch geduldet wird, ist keine belastbare Grundlage für den Zugriff auf Ihr Archiv.

Der Teil, über den kaum jemand spricht

Dieselbe Technik liefert derzeit Schadsoftware aus. Cofense Intelligence hat die Kampagne im Februar ausgewertet: Eine Phishing-Mail enthält einen Link, der nicht den Browser öffnet, sondern den Windows-Explorer — verbunden mit einem fremden WebDAV-Server, der über einen kostenlosen Cloudflare-Tunnel läuft.

Für den Nutzer sieht das aus wie ein Netzlaufwerk. Ein Ordner, eine Datei, ein Doppelklick.

Zwei Zahlen aus dem Bericht sollten deutsche Unternehmen aufhorchen lassen: 50 Prozent der beobachteten Kampagnen laufen auf Deutsch, überwiegend mit gefälschten Rechnungen als Köder. Und 87 Prozent liefern Fernwartungstrojaner aus, meist XWorm, AsyncRAT oder DcRAT.

Wie wirksam der Weg ist, hat schon 2025 eine Zero-Day-Lücke gezeigt: Über CVE-2025-33053 ließ sich Code direkt von einem fremden WebDAV-Server ausführen. Check Point hatte den Angriff bei einem Rüstungsunternehmen in der Türkei entdeckt, Microsoft schloss die Lücke im Juni-Patchday.

Ich halte das für den am meisten unterschätzten Angriffsweg im Büroalltag. Ein Mitarbeiter, dem man acht Jahre lang beigebracht hat, dass Dokumente im Explorer aufgehen, hat keine Chance, den Unterschied zu erkennen.

Zugriffsweg und Archiv sind zwei verschiedene Dinge

Der eigentliche Denkfehler steckt woanders. In vielen Häusern ist das Laufwerk die Ablage. Fällt der Zugriffsweg aus, ist der gesamte Dokumentenbestand nicht mehr erreichbar, weil es keinen zweiten Weg gibt.

Ein Dokumentenmanagement-System dreht das um: Die Dokumente liegen mit Metadaten, Versionen und Protokoll im System. WebDAV, Weboberfläche, App und API sind vier Türen zum selben Raum. Geht eine zu, arbeiten Sie durch die nächste weiter.

ZugriffswegTaugt fürGrenzen
WebDAV über Bordmittel von Windows/macOSGelegentliches Öffnen einzelner DateienAbgekündigt, 50-MB-Grenze, keine Offline-Nutzung, Vorschau seit 25H2 blockiert
Dedizierter WebDAV-Client (z. B. Mountain Duck)Tägliche Arbeit in Explorer und Finder, Offline-Sync, Datei-SperrenEigene Lizenz je Arbeitsplatz
Weboberfläche und Apps des DMSVolltextsuche, Freigaben, Fristen, Zugriff von unterwegsEine Woche Umgewöhnung

Auch die Nextcloud-Dokumentation empfiehlt inzwischen offen den eigenen Desktop-Client statt der Windows-Einbindung. Das ist kein Zufall, sondern die gleiche Lehre.

Was ich Kunden derzeit rate

  1. Zählen Sie nach, welche Laufwerksbuchstaben im Haus per WebDAV hängen. net use in der Eingabeaufforderung zeigt es in zwei Sekunden.
  2. Prüfen Sie, ob der Webclient-Dienst auf den Clients überhaupt automatisch startet — wenn ja, wurde das irgendwann bewusst gesetzt und niemand weiß mehr, warum.
  3. Trennen Sie Ablage und Zugriff. Wenn die Antwort auf „Wo liegen die Dokumente?" ein Laufwerksbuchstabe ist, haben Sie kein Archiv, sondern eine Freigabe.
  4. Für Kollegen, die täglich in Explorer oder Finder arbeiten: einen dedizierten Client lizenzieren statt an der Registry zu drehen.
  5. Für alle anderen: die Weboberfläche. Nach meiner Erfahrung fragen etwa zwei Drittel der Anwender nach vier Wochen nicht mehr nach dem Laufwerk, weil die Volltextsuche schneller ist als jeder Ordnerpfad.
  6. Nehmen Sie den Fall „Link öffnet plötzlich den Explorer" in die nächste Security-Unterweisung auf. Das kostet fünf Minuten.
  7. Fragen Sie Ihren DMS-Anbieter schriftlich, welche Zugriffswege bleiben, falls Microsoft den Dienst entfernt. Wenn WebDAV der einzige ist, wissen Sie genug.

Wie wir das bei Aktenplatz gelöst haben

Wir sprechen WebDAV, und wir stehen dazu — als Standard, nicht als proprietäres Protokoll. Deshalb empfehlen wir auf unserer Seite zur Laufwerk-Einbindung seit jeher einen spezialisierten Client statt der Bordmittel: Offline-Synchronisierung, Datei-Sperren, keine 50-MB-Grenze.

Parallel dazu gibt es die Weboberfläche im Browser, Apps für iOS und Android sowie eine REST-API. Auf allen Plattformen — Windows, macOS und Linux — dieselbe Ablage, dieselben Rechte, dasselbe Protokoll im Hintergrund.

Dass Dokumente im Originalformat liegen und über offene Standards abrufbar bleiben, ist übrigens dieselbe Überlegung, die wir beim Thema Vendor Lock-in anstellen. Ein Zugang, der nur einem Hersteller gehört, ist ein Risiko. Ein Zugang, der nur einem Betriebssystem-Feature gehört, eben auch.

Fazit

WebDAV verschwindet nicht. Der Standard funktioniert, jeder ordentliche Client spricht ihn, und für viele Arbeitsplätze bleibt das Laufwerk der bequemste Weg zum Dokument.

Was verschwindet, ist die Selbstverständlichkeit, mit der Windows und macOS das bisher mitgeliefert haben. Wer 2026 noch plant, sein komplettes Dokumentenarchiv über ein abgekündigtes Betriebssystem-Feature zu erschließen, plant auf einer Grundlage, die Microsoft selbst nicht mehr pflegt.

Falls Sie gerade nicht sicher sind, wie viele Ihrer Abläufe an Laufwerk Z: hängen: Das lässt sich in einem halbstündigen Gespräch klären. Melden Sie sich — wir schauen uns Ihre Zugriffswege gemeinsam an, auch ohne Angebot am Ende.

Tags:

WebDAVNetzlaufwerkWindowsmacOSDateizugriff

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